Protokoll der Kommissionssitzung vom 23. April 1999 in Siegen
 
 

Beginn: 9 Uhr
Ende: 15 Uhr
Protokoll: Schimmler
Anwesend: Frau Bottin, die Herren Emrich, Fischer, Grieger, Haverkamp, Held, Höser, Humbert, Johannsen, Kroß,
Luttermann, Münch, Neumann, Otto, Peter, Schimmler, Schmidt, Täube, Thomalla, Wörfel, Wößner

1. Herr Münch und Herr Held berichten in Eingangsreferaten über die Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung in
     Siegen und Münster. Um die Bedeutung des Dienstleistungsaspekts zu betonen, sprechen sie von ,,Leistungs- und
     Kostenrechnung". Sie definieren im Rahmen einer Prozeßkostenrechnung Prozesse für ein Hochschulrechenzentrumun
     schlagen ein Berechnungsschema vor. Der Arbeitsbericht Nr. 01-98 der Universität Gesamthochschule Siegen
     ,,Leistungs- und Kostenrechnung in der Datenverarbeitung"  wird verteilt. Herr Held ist bereit, Interessierten seine
     EXCEL-Tabellen als Muster zur Verfügung zu stellen.
 

2. Herr Grieger berichtet über die bereits seit einiger Zeit im Betriebsalltag der GWDG eingesetzten Kosten- und
     Leistungsrechnung. Man hat dort auf eine Prozeßkostenrechnung wegen des damit verbundenen Aufwands verzichtet.
     Die Folien des Vortrages sind über den URL http://www.gwdg.de/~wgriege/zki.990423.pdf abrufbar.

     Der Leistungskatalog der GWDG und seine Bewertung in Arbeitseinheiten (AE) bietet eine Grundlage für die Aufstellung
     von Leistungskatalogen.

     Die Abrechungsdaten für maschinell erbrachte Dienste werden automatisch erzeugt. Die Abrechnung der Leistungen für
     Nutzer erfolgt über Auftragszettel und Zeitverwendungsnachweise. Diese werden in den Arbeitsgruppen aggregiert, um
     damit keine Leistungsüberprüfung für einzelne Mitarbeiter zu ermöglichen.
     Das Formular des Auftragszettels ist über den URL http://www.gwdg.de/~wgriege/auftragszettel.pdf und das Formular
     des Zeitverwendungsnachweises über den URL http://www.gwdg.de/~wgriege/zeitverwendung.pdf abrufbar.

3. In der Diskussion zu den Eingangsreferaten kommt zum Ausdruck, daß die erwähnte Verschiedenartigkeit der Ansätze
     von geringerer Bedeutung ist. Die KL-Rechnung stärkt durch ihre Transparenz die Position der Hochschulrechenzentren
     bei der Mittelverteilung in der Hochschule.

     Auf jeden Fall sollte die die Kostenrechnung nicht isoliert ohne Leistungsrechnung eingeführt werden. Es ist wichtig, dem
     Thema ,,Leistungsqualität" und ihrer Objektivierbarkeit mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Anderenfalls könnten Kosten
     und Leistungen in eine Abwärtsspirale münden. In dieser Kombination verfügt das Rechenzentrum über solide
     Informationen für eine eventuelle Outsourcing-Debatte.

     Der Artikel ,,Commitmentbased IT-Management: Offensiv aus der Imagefalle`` von H. Huber wird verteilt.

4. Herr Peter schlägt vor, daß die Teilnehmer kurz über den Stand der Einführung von Kosten- und Leistungrechnung in
     ihrem Bereich berichten und Ihre Motivation für die Arbeit in der Kommission darlegen.

     Alle Teilnehmer berichten, daß es ihnen bei der Kommissionsarbeit besonders um den Informations- und Erfahrungs-
     austausch gehe.

     Fischer: In der TU Dresden Läuft ein Modellversuch zur Kostenrechnung. Eine Leistungsrechnung ist geplant. Die
     Kostenstellen werden nach Anzahlen von Studierenden und Mitarbeitern nutzungsunabhängig belastet. Es wird Software
     von HIS (HISCOB-GX) eingesetzt.

     Thomalla: Am Rechenzentrum der Universität Erlangen-Nürnberg ist in einem Modellversuch das Controlling eingeführt
     worden. Die Kosten- und Leistungsrechnung nach dem Göttinger Modell soll auf die gesamte Universität ausgedehnt
     werden. Die Universität bleibt bei der Kameralistik. Es wird HIS/MBS eingesetzt. Bei jeder Buchung wird Kostenart,
     -stelle und -träger eingegeben.

     Bottin: Der Landesrechnungshof prüft seit 1982 das Regionale Rechenzentrum der Universität Hamburg. Der Einsatz
     einer selbst entwickelten Abrechnungssoftware wurde vor ca. eineinhalb Jahren zugunsten von Standardsoftware
     beendet. Auf Landesebene ist eine Grundsatzentscheidung für den Einsatz von SAP/R3 gefallen. Die Universität hat
     einen entsprechenden Beschluß, insbesondere wegen der EURO-fähigkeit gefaßt. Eine Machbarkeitsstudie wurde bei
     der Fa. IDS (Prof. Scheer/ Saarbrücken) in Auftrag gegeben. Ab 2000 soll das System produktiv sein. Mit den
     Personalräten sollen Dienstvereinbarungen abgeschlossen werden. Der Datenschutzbeauftragte wird von Anfang an
     beteiligt.

     Schimmler: Die Kosten- und Leistungsrechnung und das Controlling werden in die anstehende Hochschulgesetznovelle
     aufgenommen. Schleswig-Holstein hat sich zusammen mit Hamburg für den Einsatz von SAP entschieden. Die Universität
     Kiel wird zunächst ein anderes Produkt einsetzen.

     Seit 1997 stellt das Rechenzentrum Materialkosten für Druckdienste in Rechnung, so daß hier eine erste Gewöhnung der
     Nutzer an die Rechnungsstellung durch das Rechenzentrum erfolgt ist. Es ist damit zu rechnen, daß die KL-Rechnung im
     Rechenzentrum pilotiert wird.

     Herr Otto und Herr Grieger verweisen hinsichtlich der Situation in der GWDG auf den Vortrag und verteilen an alle
     Teilnehmer die von D. Wall herausgegebene Broschüre der GWDG ,,Kostenrechnung im wissenschaftlichen
     Rechenzentrum ". Sie sind am Erfahrungsaustauch hinsichtlich der Einführung der KL-Rechnung an
     Universitätsrechenzentren interessiert.

     Johannsen: Die Fachhochschule Nordost-Niedersachsen in Lüneburg hat seit dem 1.1.1999 einen Globalhaushalt und ist
     zu kaufmännischer Buchführung übergegangen. Die KL-Rechnung wird im Rechenzentrum und in der Bibliothek
     eingeführt.

     Neumann: In der Universität Oldenburg ist der Globalhaushalt eingeführt. Controlling wird praktiziert und die
     Standardsoftware SAP eingesetzt. Die KL-Rechnung wird eingeführt.

     Wößner: An der TU Harburg ist das Rechenzentrum in die Debatte gekommen, so daß jetzt konkrete Zahlen erforderlich
     werden. SAP ist zentrales Thema. Die Einführung der KL-Rechnung war zwischenzeitlich unterbrochen, soll aber jetzt
     wieder aufgenommen werden.

     Schmidt: Für das Rechenzentrum der FH Erfurt stellt sich die die Frage der Mittelverteilung. Eine Outsourcingdebatte und
     drohender Personalabbau sind weitere Gründe, die Kostenstruktur zu erabeiten und transparent zu machen.

     Höser: In der Universität Weimar und der Hochschule für Musik sind seit zwei Jahren Globalhaushalte eingeführt. Ein
     Modellversuch zur Einführung der KL-Rechnung läuft. Es wird HISCOB-GX eingesetzt.

     Wörfel: An der Universität Halle steht der Globalhaushalt bevor. Die Leistungen des Rechenzentrums werden von der
     Universitätsspitze in bezug auf die erforderlichen Finanzmittel hinterfragt.

     Kroß: Seit drei Jahren ist der Globalhaushalt an der Humboldt-Universität eingeführt, nicht jedoch die kaufmännische
     Buchführung. Ab 2000 soll die Budgetierung als Pilotprojekt eingeführt werden. Der Kanzler hört auf; ein neues
     Leitungsmodell mit hauptamtlichen Vizepräsidenten soll eingeführt werden. Die KL-Rechnung wird im Rechenzentrum und
     der Universitätsbibliothek pilotiert werden.

     Emrich: An der Universität Kaiserslautern sind die Stichworte Personalkostenbudgetierung, Mittelverteilungsmodelle und
     Personalbemessungsmodelle aktuell. Der Kanzler will eine KL-Rechnung einführen. Das Rechenzentrum soll die
     abgegebenen Leistungen über Verrechnungspreise steuern. Es wird Kostentransparenz gefordert und Geld soll fließen.

     Humbert: In der Universität Saarbrücken wird seit dem 1. April SAP/R3 in der Zentralen Verwaltung eingesetzt. Dieser
     Einsatz soll auf die Universität ausgedehnt werden. Das Rechenzentrum wird ab Juni einbezogen und soll eine
     Kostenstelle werden.

     Herr Täube vom Leibnizrechenzentrum München sieht in der KL-Rechnung eine Verbesserung der Kostentransparenz.
     Durch eine Bewertung der Dienste soll eine aufgezwungene Outsourcing-Debatte verhindert werden.

     Herr Luttermann will Erfahrungen aus der Arbeit am Regionalen Rechenzentrum Niedersachsen (RRZN) einbringen und
     Erfahrungen anderer mitnehmen. In Niedersachsen gibt es einen Parlamentsbeschluß, nach dem die Hochschulen als
     eigenständige Landesbetriebe geführt werden sollen. Hinsichtlich dieser Entwicklungen sind die Fachhochschulen schon
     weiter als die Universitäten. Die Medizinische Fakultät der Universität Göttingen und die Medizinische Hochschule setzen
     SAP ein, die TU Clausthal führt ein Pilotprojekt durch. Bis zum 1.1.2001 soll Standardsoftware an allen Universitäten
     eingesetzt werden, und zwar Baan, wo nicht bereits SAP im Einsatz ist.

     Herr Held sieht für das Rechenzentrum der Universität Münster das Problem einer Kostenrechnung als weitgehend
     erledigt an, während die Leistungsseite noch offen ist. In dieser Hinsicht sind die Fachbereiche noch zurück. Die
     Einführung einer KL-Rechnung dort ist ein ,,heißes Eisen".

5. Herr Peter stellt die Aufgabenstellung der Kommission zur Debatte. Sicherlich steht die Angleichung des Wissensstandes
     durch Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt.

     Als Themen für die weitere Arbeit wird genannt:
     (a) Begrifflichkeit, Definitionen
     (b) Statusermittlung aller ZKI-Mitglieder, Zielvorstellung entwickeln
     (c) Für alle gemeinsame Kostenpläne entwickeln
     (d) Ein ZKI-Papier als Muster für alle erstellen
     (e) Grundlagen für ein Benchmarking erarbeiten
     (f) Leistungsbewertung und Leistungsbeschreibung auch aus Anwendersicht
     (g) Umlegungsmodelle für Gemeinkosten
     (h) Ermittlung des Aufwandes für eine KL-Rechnung

6. Durch Akklamation wird Herr Wößner zum Vorsitzenden, die Herren Schmidt und Johannsen zu Stellvertretern bestimmt.
     Herr Peter dankt für die Bereitschaft, diese Aufgaben zu übernehmen. Er weist darauf hin, daß es auch für die
     Organisation der Kommissionssitzungen beim ZKI einen Etat gibt. Er dankt bei dieser Gelegenheit dem Gastgeber,
     Herrn Münch, für die gute Organisation und die Schonung des ZKI-Etats.

7. Man kommt überein, die nächste Sitzung am 17. Juni in Münster den ersten vier Punkten des Themenkatalogs zu widmen.
     Der Themenkreis Leistungsbeschreibung und Leistungsbewertung soll auf einer weiteren Kommissionssitzung
     Gegenstand sein.

                                                                                               Jörg Schimmler