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ZKI Nachrichten

07.08.2013 15:10

MOOCs in deutschen Hochschulen

Von: Markus von der Heyde

Chancen und Risiken für Rechenzentren

Welche Chancen und Risiken bieten Massively Open Online Courses (MOOCs) den deutschen Hochschulen? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst verstehen, was MOOCs eigentlich sind. MOOCs sind Online-Kurse, zu denen sich potentiell viele Teilnehmer „frei“ einschreiben können. Es haben sich verschiedene Modelle dieser Veranstaltungsform entwickelt. Die Spannweite reicht von einem vor Ort stattfindenden Kurs, der durch eine mehr oder weniger große Online-Community ergänzt wird, bis zu komplett online stattfindenden Kursen mit mehr als 100.000 Teilnehmern. Die persönliche und direkte Betreuung von mehr als 1000 Teilnehmern ist einem Lehrenden nicht mehr möglich. Daher werden bei Kursen mit vielen Teilnehmern die Kontrolle und Betreuung von Aufgaben auf die Teilnehmer selbst zurückverlagert. In Kleingruppen werden nach dem Maßstab des Lehrenden die Ergebnisse diskutiert und bewertet. "Lernen findet dann statt, wenn Teilnehmer sich austauschen", sagt Claudia Bremer von der Goethe-Universität Frankfurt/M. Weiter führt sie aus: "MOOCs sind ein Ergänzungsangebot, um weitere Zielgruppen zu erreichen. Stichwort: Bildungsexport." Aber die Lernkontrolle soll, so meinen die Kritiker, in der Hand der Lehrenden bleiben. Gabi Reinmann von der Universität der Bundeswehr München erklärt: "Solange wir an Hochschulen prüfen wie bisher, bleiben bei MOOCs die Marketing-Effekte wohl größer als die Effekte auf das Studium." Diese zwei Positionen zeigen das Spannungsfeld der aktuellen Diskussion um MOOCs in Deutschland deutlich.


Welche Anforderungen würden aber in einem solchen Fall auf das Rechenzentrum der betreffenden Hochschule zukommen? Die Offenheit der MOOCs bedingt eine Rollendefinition für die Teilnehmer. In viel Fällen muss dafür eine neue Rolle im Rollenmodell der Hochschule etabliert werden: Die Teilnehmer werden sicherlich keine eingeschriebenen Studierenden – aber dennoch wird ja eine gewisse Verbindlichkeit zur Nutzung der Infrastruktur mit der Teilnahme verbunden werden. Auch die Rolle als Mitglied oder Angehöriger der Hochschule wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht infrage kommen, weil dies unter dem Blickwinkel Lizenzrecht und Zugriffserlaubnissen in Bibliotheken fragwürdig erschiene. Aber dennoch sollen Lehrinhalte, die z.T. auch urheberrechtlich geschützt sind, zugänglich gemacht werden. Eine Klärung dieser mit dem IdM verbundenen Aspekte, auch im Kontext von DFN-AAI und anderen Verbünden, wird eine Voraussetzung zum Anbieten von MOOCs sein. Außerdem müssen die Rechenzentren in ihren Supportmodellen die neue Rolle verankern und für sich selbst definieren, inwiefern Support für Teilnehmer von MOOCs zu leisten ist. Die Lage scheint beherrschbar, solange nicht alle bei einem Ausfall eines Videoservers gleich eine Supportmail senden. Fehlende Bandbreiten und wenig leistungsfähige Server würden nicht nur zu einer Flut von Supportanfragen führen, sondern auch einen negativen Werbeeffekt nach sich ziehen. Wichtig ist daher, dass die Technik ausfallsicher und auch auf größere Teilnehmerzahlen ausgerichtet sein muss, bevor Kurse starten. In der Reihe der organisatorischen Anforderungen wird ein weiterer Punkt auch die schon länger im Raum stehende Forderung nach 7/24 Support sein.


Welche Erfahrungen aus dem eLearning können wir nutzen, um uns auf MOOCs einzustellen? Die Spitzen der Serverlast bei Deadlines für Einschreibungen oder ePrüfungen zeigen, welche extremen Anforderungen entstehen können. Diesen kann nur mit organisatorischen Lösungen begegnet werden, indem mit dehnbaren Zeiträumen statt punktförmigen Terminen zur Abgabe gearbeitet wird.

 

Ansprechpartner im ZKI: Dr. Peter Leinen, Universität Mannheim, Tel.: 0621 181 3170.

 

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